|
ADHS = Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts (Hypoaktivitäts) - Syndrom
ADHS in Paarbeziehungen
Fallbeispiel:
Die Mutter eines hyperaktiven 6jährigen Jungen schildert ihre Ehe als belastet, da sie mit manchen Verhaltensweisen ihres Mannes so schlecht zurechtkomme. Er sei abends bei der Rückkehr von seiner Arbeit ausgesprochen ungehalten, wenn er die Wohnung nicht in dem aufgeräumten Zustand vorfinde, wie er sie haben wolle. Ihr Mann explodiere leicht aus nichtigen Kleinigkeiten heraus, kritisiere die Kinder oft so hart, dass sie wirklich in Schutz nehmen müsse. Ihr Mann könne plötzlich den Einfall bekommen, dass dringlich in der Garage ein Regal zu bauen sei, erläutere ihr dann ausführlich, warum dies jetzt sofort sein müsse, besorge dann auch Material und fange mit dem Bauen an. Wenn dann aber etwas dazwischen komme, was im Alltagsablauf immer wieder passiere, scheine er aber die Lust zu verlieren. Wenn sie ihn darauf anspreche, dass er das doch Fertigmachen wolle, äußere er, dass er dazu jetzt keine Zeit oder keine Lust habe, solche Ideen führe er in den seltensten Fällen ganz aus. Er sei sehr empfindlich, wenn man ihn kritisiere, teile seinerseits aber herb aus, manchmal sei es ihr richtig peinlich, wie impulsiv ihr Mann Äußerungen auch in Gesellschaft von sich gebe, die in dem Moment nicht unbedingt angebracht seien. Unangenehme Schreibarbeiten schiebe er gerne bis zum allerletzten Moment vor sich her und werde sofort sehr verstimmt, wenn sie versuche ihn doch dazu zu bewegen, sich zu solchen Erledigungen die Zeit besser einzuteilen. Er wisse selbst, was zu tun sei und wolle nicht bevormundet werden. Manchmal wisse sie gar nicht, wie sie mit ihm umgehen solle.
Besonders schwierig sei ein Auskommen mit ihm, wenn bei einem Vorhaben mit der Familie plötzlich etwas dazwischenkomme. Wenn er auf etwas eingestellt sei, dann wolle er hier offensichtlich keinerlei Störungen haben. Auch hier neige er dann zu sehr ungehaltenen und auch oft ungerechten Äußerungen.
Als die Frau das erzählt hat, wusste sie noch nicht, dass ihr Mann auch betroffen ist (und er wahrscheinlich auch nicht...)
„In einer Paarbeziehung, in der ein Partner ADHS hat, kann das Leben von Tag zu Tag ins Schlingern geraten und aus dem Ruder laufen. Das Syndrom kann eine Liebesbeziehung kaputtmachen und beide Partner am Boden zerstört zurücklassen. Wenn die Situation allerdings auf unmerkliche Weise reguliert wird, können die beiden Menschen zusammenarbeiten, statt uneins zu sein.“
Wenn ADHS die Ursache von Partnerschafts- oder Eheproblemen ist, besteht entweder die Gefahr, das Krankheitsbild zu übersehen, weil die Probleme häufig ähnlich aussehen wie die anderer Paare. Oder man kommt nicht drauf, dass die Probleme mit dem ADHS zu tun haben könnten.
Nicht selten jedoch bringen die Symptome ein (Ehe-) Paar an den Rand der Scheidung oder Trennung.
Um den Teufelskreis zu durchbrechen ist der erste Schritt, gegenseitiges Verständnis zu schaffen.
Dies schafft die Möglichkeit, den “Kampf“ aufzugeben und stattdessen zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen.
In einer Paartherapie kann es zum einen um das Erlernen von „Alltagsstrategien“ für beide Partner gehen, zum anderen um das Verhalten im Hier und jetzt (z.B. sich Angewohnheiten abzugewöhnen), wie auch darum, alten Ärger und Wut zu überwinden.
Eine Partnerschaft zu stabilisieren, die schon länger unter den Symptomen litt, bedeutet harte Arbeit und vor allem beiderseitige Bereitschaft.
zurück
|